
Der WASCHplatz

Es ist noch früh am Morgen, die Sonne zeigt sich gerade am Horizont. Der Himmel ist strahlend blau, und die Wolken sehen aus wie kleine, weiche, weiße Wattebäusche. Ein sanfter Wind weht herüber von Westen, und auf den Wiesen liegt noch der Nebel der frühen Morgenstunden. Noch ist es nicht wirklich warm, aber die Luft fühlt sich schon seidig an. Es verspricht, ein schöner Tag zu werden.
Bestes Wetter, um die Wäsche zu waschen. Das scheinen sich auch ein paar Frauen zu denken, die einen Handwagen mit Waschbrettern, groben Seifenstücken und Körben voller Wäsche zum Waschplatz ziehen. Dir fällt auf, dass diesmal nur Frauen aus den Familien Fuchs und Dachs dabei sind.
Sie scheinen guter Stimmung zu sein, denn während sie zum Waschplatz am Fluss ziehen, hörst du sie singen:
»Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh
und sehet den fleißigen Waschfrauen zu!
Sie waschen, sie waschen,
sie wasch’n den ganzen Tag,
sie waschen, sie waschen,
sie wasch’n den ganzen Tag.«
Du fragst eine der Fuchs-Frauen, ob du mitkommen darfst. Sie grinst dich an und nickt: „Ich bin Flora Fuchs, klar kannst du mitkommen. Dass jemand freiwillig zum Waschen gehen möchte, habe ich allerdings auch noch nie erlebt, aber jede helfende Hand ist herzlich willkommen.“
Helfen? Auf die Idee bist du selber noch gar nicht gekommen. Eigentlich wolltest du nur eine Weile zusehen, da du gerade nichts weiter vorhast. Sagen möchtest du ihr das jetzt aber nicht, schließlich hat sie sich wirklich gefreut. Deshalb beschließt du, die ganze Sache einfach auf dich zukommen zu lassen. Noch nie hast du in einem Fluss Wäsche gewaschen, das könnte doch ganz spaßig werden.
Am Fluß angekommen, ist die Frage:
Was möchtest Du gerne tun?

Erst einmal zusehen und mit DEN Frauen REDEN
Während die Frauen ihre Waschkörbe aus dem Wagen nehmen, setzt du dich ans Ufer, auf die Treppenstufen, und schaust ihnen dabei zu.
Flora wirft dir einen kurzen Blick zu und sagt lachend zu den anderen Frauen, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen: „Wenn das nicht eine großartige Hilfe ist! Doch bei allem, was recht ist: Hier haben wir wenigstens jemanden, der die Stufen vorwärmt.“ Die anderen Waschfrauen finden Floras Scherz ebenfalls komisch und stimmen in ihr Lachen ein.
Während die Frauen die Wäsche waschen, schaust du dir die Gruppe genauer an. Es sind Füchse und ein paar Dachse. Ganz sicher bist du dir nicht, aber eine von ihnen glaubst du schon zu kennen. Sie kniet direkt neben dir, und du sprichst sie an: „Sind Sie nicht Frau Dora Dachs?“ Die Frau prustet sogleich los vor Lachen: „Nein, das ist meine Cousine. Habt ihr gehört, ich bin eine SIE! Fehlt nur noch, dass du ‚gnädige Frau‘ zu mir sagst.“ Sie steht auf und stolziert, Hüfte wiegend, ein paar Schritte. Genau vor dir bleibt sie stehen: „Das habe ich gerne, kannst mich und meine Cousine nicht auseinanderhalten, dabei sehen wir uns so gar nicht ähnlich. Übrigens, mein Name ist Dagmar Dachs.
„Aber weißt du, was so richtig lustig ist: Du tust so, als sei ich Frau Doktor oder die Frau Apothekerin. Lass gut sein, brich dir mal keinen Zacken aus der Krone, wir duzen uns hier alle. So piekfeine Leute sind wir nicht.“ Damit schürzt sie ihr Kleid und kniet sich wieder an den Fluss, um ihre Arbeit fortzusetzen.
Unauffällig schaust du dir die Frauen noch einmal genauer an, und du stellst fest: Du kannst zwar Fuchs und Dachs unterscheiden, aber es fällt dir extrem schwer, innerhalb der Familien die einzelnen Gesichter den Namen zuzuordnen. Irgendwie sehen sie für dich alle gleich aus. Vielleicht solltest du in Zukunft einmal genauer darauf achten, was den einen Dachs vom anderen unterscheidet. Es wäre äußerst peinlich, sie immer mit dem falschen Namen anzusprechen. Zum Glück scheint Dagmar nicht böse zu sein über dein Missgeschick.

Beim Waschen helfen
Die Wäscherinnen stehen im Fluss, ihre Röcke so hochgeschürzt, dass sie nicht nass werden. Sie nehmen die Wäschestücke einzeln aus den Körben und rubbeln sie über das Waschbrett. Besonders schmutzige Wäsche wird auf einem Stein so lange geklopft, bis der Schmutz sich löst. Danach wird wieder auf dem Waschbrett gerubbelt. Jedes einzelne Wäschestück wird kontrolliert, ob auch alle Flecken herausgewaschen wurden. Ist man sich dessen sicher, wird die Wäsche im Fluss gespült, ausgewrungen und in einen für saubere Wäsche bereitstehenden Korb gelegt. Ist der Korb gefüllt, wird die Wäsche auf langen Leinen zum Trocknen aufgehängt.
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Nachdem du es dir hast erklären lassen, bist du bereit, mit anzufassen. Schwer klingt das ja nicht: Klopfen, rubbeln, kontrollieren, ausspülen und aufhängen. Fertig! Dazwischen singen und schwatzen.
Das mit der Wäsche scheint ja nun kein Hexenwerk zu sein. Wäre doch gelacht, wenn du das nicht genauso gut machen könntest. Was meinst du? Ein Waschbrett ist schnell gefunden, da bereits zwei Frauen angefangen haben, die saubere Wäsche auf den Leinen aufzuhängen und die Bettwäsche auf der Wiese zum Bleichen auszulegen.
Nach einer Stunde mühevoller Arbeit hast du gerade mal drei Wäschestücke sauber bekommen. Wie oft dir Frieda, die Fuchsfrau, nach dem Kontrollieren deiner „sauberen“ Wäsche die gleichen Wäschestücke wieder in die Hand gedrückt hat, damit du sie dir noch einmal vornimmst, kannst du nicht mehr zählen. Ihre einzigen Worte dazu waren: „Nochmal, das geht wirklich sauberer!“
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Eine weitere Stunde hältst du noch durch, dann kannst du nicht mehr. Dein Rücken schmerzt vom ständigen, gebückten Stehen. Du hast das Gefühl, deine Hände sind völlig aufgeweicht und taub von dem kalten Flusswasser. Deine Arme kannst du kaum noch anheben. Sie schmerzen wie verrückt vom Klopfen, Rubbeln und Auswringen der schweren Wäscheteile.
Du fragst die Frauen, wie sie das nur schaffen und ob ihnen denn gar nichts wehtut. Sie lachen nur, und Dagmar gibt dir zur Antwort: „Vergiss nicht, wir sind das gewöhnt. Außerdem weiß unser Körper längst, er braucht sich nicht zu beklagen. Die Wäsche ist schmutzig und muss wieder sauber werden, und jemand muss es ja machen, leider erledigt sich das nicht von selber!“ Die anderen stimmen grummelnd zu.
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Du setzt dich auf die Steintreppe und beschränkst dich aufs Zuhören. Während ihre Hände nicht stillstehen, geht es ihrem Mundwerk auch nicht anders. Ganz nebenbei, wird so auch die ganz andere Art von schmutziger Wäsche gewaschen. Fleißig tauscht man sich über die anderen Dorfbewohner aus.
Die Themen sind vielfältig. Die Worte Privatleben oder gar Intimsphäre scheint es hier nicht zu geben. Hier wird diskutiert, wieso Bauer Maus so viel Kinder hat und, wie es seiner Frau dabei wohl ergehen mag. Das nach jedem Gang in den Gasthof, der Bürgermeister nicht immer direkt den Weg nach Hause findet. Wie sagen sie: „Jedes mal, wenn ihm das Fell juckt schaut er bei der Witwe Gans vorbei.“ Ganz genau wissen sie auch, das des Marders Marie zu den ganz Flotten gehört. Kein junger Bursche im Dorf sei vor ihr sicher, was die Jungs nicht so wirklich zu stören scheint. Auch über die alte Müllerfrau, die Mutter des jetzigen Müllers wird geredet. Sie wird es wohl nicht mehr lange machen aber ihr Leben war auch Mühsal genug, und nun gönnt man ihr die Ruhe. Alle hoffen, dass es wenigstens schnell geht.
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So geht der Tag um. Mittags bringen Kinder aus dem Dorf etwas zu essen und zu trinken vorbei, und als am späten Nachmittag die Wäsche trocken ist, wird sie zusammengelegt, und man geht wieder ins Dorf. Morgen muss noch gebügelt werden, und damit ist die Wäsche für diesen Monat erledigt.

Schon erholt? Was steht als Nächstes an?